Psychologische Sicherheit: das Geheimnis für erfolgreiche, harmonische Teams

Psychologische Sicherheit: das Geheimnis für erfolgreiche, harmonische Teams

Ich mag Horrorfilme. 

Über einen sehr langen Zeitraum habe ich das jedoch niemandem erzählt. Es war mir peinlich, Freunden oder Kollegen von meinem Hang zum Makaberen zu erzählen. Dieses Gefühl der Scham kam daher, dass ich das Gefühl hatte, dass Horrorfilme keine akzeptable Unterhaltung seien und auch nicht im Kontext des Arbeitsplatzes besprochen werden sollten. Kurzum: Ich dachte, man würde mich für komisch halten.

Es ist nicht einfach, anderen und insbesondere Kollegen zu sagen, was unsere Interessen sind, denn wenn wir das tun, machen wir uns verwundbar. Wir machen uns damit angreifbar und anfälliger für Kritik oder Schamgefühl, wenn unsere Interessen von unserem Gegenüber nicht geteilt werden oder wir sogar negativ bewertet werden aufgrund dieser.

Psychologische Sicherheit ist nicht nur für Hochleistungsteams wichtig, sondern auch, weil die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eher Probleme bezüglich der Arbeit, ihrer Entwicklung oder ihrer Entlohnung ansprechen, wenn sie gegeben ist.

Bei Peakon hören wir von vielen Organisationen, dass sie sich wünschen, dass ihre Mitarbeiter bei der Arbeit „ganz sie selbst sind“ und „das Gefühl haben, dazuzugehören“. Es gibt zwar nicht eine alleinige Lösung, wie man diese Natürlichkeit und Authentizität erzeugt, eine wichtige Grundlage ist jedoch in jedem Fall psychologische Sicherheit, die auf William Kahn zurückgeht und zum Forschungsgegenstand für Amy C. Edmondson wurde. Auch in Bezug auf Untersuchungen der hochproduktiven Teams bei Google stand die psychologische Sicherheit im Mittelpunkt. 

Kurz gesagt: Psychologische Sicherheit tritt auf, wenn Kollegen einander vertrauen, sich respektieren und sich in der Lage oder gar verpflichtet fühlen, ehrlich und authentisch zu sein – und sie war nie wichtiger als jetzt in der neuen Arbeitswelt, in der wir uns seit diesem Jahr befinden. 

„Es ist unglaublich wichtig, psychologische Sicherheit jetzt an erste Stelle zu stellen. Denn es ist ein Privileg, seine Meinung sagen zu können, ohne sich sorgen zu müssen, damit die Dynamik im Team zu riskieren.“, sagt Sheree Atcheson, Peakons Global Director of Diversity, Equity, and Inclusion. „Wir alle müssen psychologische Sicherheit zu einer Priorität in unseren Teams, unserer Arbeit und unserem Leben machen, denn das führt zu besseren Arbeitsumgebungen, in denen Vertrauen, Ehrlichkeit und Transparenz groß geschrieben werden.“ 

Psychologische Sicherheit ist nicht nur für Hochleistungsteams von großer Bedeutung. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sprechen Probleme bezüglich der Arbeit, ihrer Entwicklung oder ihrer Entlohnung eher an, wenn sie gegeben ist. Peakons Heartbeat-Report zufolge sind diese drei Themenbereiche allesamt frühzeitige Indikatoren für unerwünschte Mitarbeiterkündigungen.

Soweit ist alles klar und klingt gut, wie aber schafft man einen Arbeitsplatz, der psychologische Sicherheit bietet?

Sagen, wie man sich wirklich fühlt

Obwohl der Mensch ein soziales Wesen ist, verfällt er oft darin, bei der Arbeit Konflikte und echte Emotionen unbedingt vermeiden zu wollen. Jeder von uns hat schon mal einen Kollegen oder eine Kollegin gefragt: „Wie geht’s?“ und dann die standardmäßige Antwort erhalten: „Gut, danke, und dir?“. 

Obwohl nichts falsch daran ist, so zu antworten, wird die Antwort doch zu einem üblichen Ausweg, um sich nicht verwundbar zeigen zu müssen.

Die Sache ist allerdings, wenn sich jemand verwundbar zeigt, wird es häufig von anderen kopiert. Wenn die Frage nach dem eigenen Wohlbefinden ehrlich und sogar mit einigen zusätzlichen Informationen beantwortet wird, dann lädt das die andere Person dazu ein, dasselbe zu tun. Durch diese Interaktionen wird ein gewisses Vertrauen geschaffen und das schafft Wohlbehagen, was wiederum für psychologische Sicherheit unabdingbar ist.

Das Wetter“ mit einem persönlicheren Gesprächsaufhänger ersetzen

Ich gebe zu, dass ich Small Talk normalerweise über das Thema Wetter einleite. Und es liegt auf der Hand, warum sich das anbietet. Das Wetter ist überall und jeder hat einen Bezug dazu.  

Das Problem ist jedoch, dass es nichts tut, außer das unangenehme Gefühl zu verstärken, das Small Talk normalerweise eh mit sich bringt. Es soll uns helfen, eine Verbindung zu schaffen, tatsächlich ist es jedoch wieder nur ein Ausweg, um nichts Persönliches mitteilen zu müssen. Wenn wir unseren nächsten Zoom-Anruf tätigen, können wir unsere Standardfragen etwas anpassen, um sie etwas menschlicher zu machen und ein richtiges Gespräch einzuleiten. Hier sind ein paar Ideen:

  • Welcher ist der beste/schlechteste Film, den du während des Lockdowns gesehen hast?
  • Hast du irgendetwas gelesen, das du weiterempfehlen würdest?
  • Hast du irgendwelche neuen Talente oder Hobbies für dich entdeckt?
  • Wie schaffst du Raum zwischen Arbeit und Privatem, wenn du zu Hause arbeitest?
  • Was ist der erste Urlaub, den du machen möchtest, wenn Reisen wieder möglich sind?
  • Arbeitest du lieber zu Hause oder im Büro?

Diese Fragen durchbrechen die Routine der Gespräche über das Wetter und bieten uns Gelegenheit, Verbindungen aufzubauen, indem wir tatsächliche Interessen miteinander teilen, statt uns durch Small Talk zu quälen.

Zu sich und seiner Umgebung stehen, dann tun es andere auch

Sich zu entschuldigen, kann bedeutsam sein, wir verwenden Entschuldigungen jedoch häufig für sehr menschliche Situationen, die nicht unbedingt eine Entschuldigung verlangen. Es ist ganz normal für uns, dass es uns während eines virtuellen Meetings peinlich ist, wenn unser Hund im Hintergrund bellt oder unser Kind laut in einem anderen Zimmer spielt. Diese Dinge passieren uns allen jedoch auf die eine oder andere Art und Weise heutzutage.  

Ob Sie nun Ihre Arbeit von zu Hause oder außerhalb der eigenen vier Wände verrichten, der Grad, wie weit wir andere in unser Leben reinlassen, hat sich gewandelt. Ich habe bereits in der Vergangenheit darüber geschrieben, zur eigenen Umgebung zu stehen, ich denke jedoch, es lohnt sich, es nochmal in den Vordergrund zu rücken: nur wenn sich Menschen willkommen und dazugehörig fühlen, können sie wirklich ganz sie selbst sein. Dazu reicht es manchmal schon aus mitzuteilen, dass Dinge in Ordnung sind und keine Entschuldigungen für ganz normale Umstände notwendig sind.

  • Es ist in Ordnung, das eigene Kind während eines Videotelefonats zu halten.
  • Es ist in Ordnung, den bellenden Hund zu beruhigen.
  • Es ist in Ordnung, wenn die Katze in einem Zoom-Meeting plötzlich Ihren Schoß für sich beansprucht.
  • Es ist in Ordnung, Dinge an den Wänden im Hintergrund hängen zu haben.

Ich habe bereits erwähnt, dass ich meine Liebe für Horrorfilme geheim hielt, weil ich Angst hatte, wie mich andere wahrnehmen würden. Jetzt gehe ich offen damit um und spreche mit anderen auch über das Thema. Selbst wenn sie nicht meine Leidenschaft für das Genre teilen, erfahren sie etwas über mich persönlich. Und oft genug führt das zu einem Gespräch. Sie bitten mich um Empfehlungen oder sie erzählen mir, dass ihr Lebensgefährte/ihre Lebensgefährtin auch Horrorfilme mag, sie selbst jedoch nicht.

Es schafft eine Verbindung und genau darum geht es, wenn man psychologische Sicherheit schaffen möchte. Es geht darum, es zu erleichtern, eine Verbindung zu anderen aufzubauen, ohne Angst zu haben, verurteilt zu werden. Auf diese Weise können wir besser zusammenarbeiten.