Mitarbeiterkommentare zeigen: das Wohlbefinden der Mitarbeiter ist jetzt Priorität

Dr Joe Cainey
Mitarbeiterkommentare zeigen: das Wohlbefinden der Mitarbeiter ist jetzt Priorität

In der Vergangenheit wurden Angebote für das Wohlbefinden der Mitarbeiter durch den Arbeitgeber als ein netter Bonus gesehen. Zweifelsohne war es keine Priorität für die Führungsspitzen vieler Unternehmen.

In den letzten Jahren ist dieser Ansatz in Frage gestellt worden. Insbesondere die finanziellen Konsequenzen, die entstehen, wenn dem Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen keine Beachtung geschenkt wird, sind deutlich zutage getreten. Burnout allein generiert Kosten von $323,4 Mrd. für die Weltwirtschaft pro Jahr. Maßnahmen zur Unterstützung des Wohlbefindens der Belegschaft werden zunehmend zu einer Notwendigkeit, wenn Organisationen ihre besten Mitarbeiter halten wollen und außerdem junge Talente anziehen möchten.

Wie wir in unserem Employee Expectations Report 2020 feststellen konnten, wird diese zunehmende Erwartung der Angestellten nicht von allen Arbeitgebern erfüllt. Weltweit wünschen sich die Mitarbeiterinnen mehr von ihren Unternehmen bei der Unterstützung ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens. In einer Analyse von 14 Millionen Mitarbeiterkommentaren konnten wir 2019 einen Anstieg der Kommentare zum Thema Wohlbefinden von 17 % im Vergleich zum Vorjahr feststellen. Insbesondere in der Finanzbranche ist der Bedarf besonders groß – Kommentare zum Thema nahmen dort um 51 % zu.

Anfang 2020 änderte sich dann jedoch wieder alles, als der Coronavirus begann, Menschen und Volkswirtschaften weltweit zu befallen.

In nur wenigen Wochen hat die Pandemie Unternehmen gezwungen, alle bisherigen Vorgehensweisen zu vergessen und sich schnell an neue Arbeitsweisen zu gewöhnen – manche hat das an ihre Grenzen getrieben. Arbeitnehmer überall auf der Welt sehen sich großer Unsicherheit in Bezug auf ihren Arbeitsplatz gegenüber oder müssen sich schnell an den neuen Normalzustand gewöhnen, während sie außerdem mit Ängsten und Sorgen kämpfen, die über die Arbeit hinausgehen. Finanzielle Sorgen, Selbstisolation, Kinderbetreuung, begrenzte Nahrungsmittel, Krankheit sowie die Pflege kranker Angehöriger stellen nur einige wenige dieser Sorgen dar. Der Bedarf an Unterstützung des Wohlbefindens durch den Arbeitgeber – geistig, körperlich und finanziell – ist heute größer als je zuvor. 

Wird der Ausbruch des Coronavirus das Wohlbefinden der Angestellten endlich ganz nach oben auf die Prioritätenliste setzen? 

Das Wohlbefinden wird wichtiger

Im Zuge der Intensivierung der Corona-Krise im März haben Arbeitnehmer zusehends häufiger das Thema Wohlbefinden in Mitarbeiterbefragungen angesprochen wie eine Analyse von zwei Millionen Mitarbeiterkommentaren ergab. Weltweit haben Mitarbeiterkommentare zu dem Thema um 51 % im Vergleich zum Februar zugenommen.

Dieser Zuwachs begründet sich hauptsächlich auf dem Vereinigten Königreich, wo die Pandemie vor vier Wochen richtig eingeschlagen hat und sich in der zweiten Märzhälfte dramatisch ausgebreitet hat. Dort haben die Mitarbeiterkommentare im Vergleich zum Februar um 12 % zugenommen. Vergleicht man die letzte Woche im März mit der ersten, lässt sich eine Zunahme der Kommentare um 65 % attestieren.

In dieser beängstigenden letzten Woche des Monats, in der die Regierung eine allgemeine Ausgangssperre verhängte, bezogen sich 7,8 % der täglichen Mitarbeiterkommentare im Vereinigten Königreich auf das Thema Wohlbefinden. Das ist ein deutliches Zeichen, dass Arbeitnehmer von ihren Arbeitgebern erwarten, dass sie aktiv werden.

Die wichtigsten Stichworte in diesen Kommentaren waren: geistiges Wohlbefinden, Work-Life-Balance, Sicherheit des Arbeitsplatzes, Home-Office, Sorgen, Gesundheit der Familie und das Arbeitspensum schaffen. Das zeigt, worüber Arbeitnehmerinnen im Vereinigten Königreich verständlicherweise besorgt sind. Es ist außerdem ein Hinweis auf die Bereiche, auf die sich Manager nun ganz besonders konzentrieren sollten, um ihre Teams zu unterstützen.

Kommentare folgen dem Virus auf dem Fuße

Wir haben einen bedeutenden Anstieg der Kommentare zum Thema Wohlbefinden auch in anderen Ländern gesehen, wobei eine Zunahme der Kommentare mit steigender Besorgnis einherzugehen scheint.

In den USA war der Anteil von Kommentaren, die sich auf das Wohlbefinden bezogen, sogar um 70 % höher in der letzten Märzwoche verglichen mit der ersten Woche des Monats. Nahezu 5 % aller Kommentare bezogen sich gegen Ende des Monats auf das Thema.

In Spanien nahmen die Kommentare zum Thema Wohlbefinden Ende März sogar um 150 % im Vergleich zu Anfang März zu. Dieser bedeutende Anstieg war in dem Moment zu verzeichnen, als die Zahl der Corona-Toten in Spanien die in China überstieg. 

In Italien, wo die Pandemie deutlicher früher Einzug hielt, war dieser Anstieg auch etwas früher zu beobachten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags galt für viele italienische Bürger bereits seit knapp einem Monat die Ausgangssperre.

Das Thema Wohlbefinden in den Mitarbeiterkommentaren hat in den letzten Wochen während der Coronavirus-Pandemie deutlich zugenommen.

Zusammen mit diesem Anstieg von Kommentaren zum Thema Wohlbefinden, ließ sich auch eine Zunahme der Erwähnung des Coronavirus in den Mitarbeiterkommentaren ausmachen. Mitte März wurde das Virus in 1,5 % aller Mitarbeiterkommentare weltweit erwähnt.

Wir erwarten, dass diese Veränderung der Themen, die Mitarbeiterinnen in ihren Kommentaren ansprechen, dem Ausbruch des Virus weltweit folgt und dass das Thema Wohlbefinden präsent bleibt, bis wieder Normalität in unser Berufs- und Privatleben einkehrt. Wir sehen auch, dass diese Pandemie die Arbeitswelt unwiderruflich verändern wird. Dadurch wird sich nicht nur die Arbeitsweise und der sogenannte Arbeitsplatz ändern. Die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie ihre jeweiligen Rollen werden sich ebenso ändern.  

Was bedeuten diese Ergebnisse für Arbeitgeber?

Wie sich Unternehmen an diesem Scheideweg jetzt verhalten, kann das Vertrauen ihrer Mitarbeiter langfristig stärken oder aushöhlen. Für die Organisationen kann das der entscheidende Faktor sein, wenn alles vorbei ist. Entweder sie halten ihre besten Mitarbeiterinnen und können schnell wieder zum Alltag übergehen oder ihre Leistungsträger suchen sich woanders neue Möglichkeiten.

Der Umgang von Unternehmen mit der aktuellen Situation wird sich auch darauf auswirken, wie ihre Kunden sie in Zukunft wahrnehmen. Wie in den letzten Wochen bereits deutlich geworden ist, werden Organisationen nun von Kunden in zwei Kategorien eingeteilt, gut und schlecht, je nach dem, wie sie ihre Mitarbeiter im Zuge der Pandemie behandelt haben.

Da sich mehr und mehr Mitarbeiterinnen nun an ihre Arbeitgeber wenden, um Unterstützung zu erhalten, war es noch nie wichtiger als jetzt, dass Manager und Führungskräfte ihren Mitarbeitern zuhören, ihre Bedürfnisse kennenlernen und ihnen durch Maßnahmen zeigen, dass ihr Feedback ankommt. 

Das könnte ganz einfach heißen sicherzustellen, dass jede Mitarbeiterin die nötige technologische Ausstattung zur Verfügung hat, um ihre Arbeit sicher und einfach von zu Hause zu erledigen. Dazu könnte ein Upgrade für die Lösung für Videokonferenzen oder ein ordentlicher Bürostuhl zählen. Vielleicht bedeutet es auch nur, stärker zu kommunizieren – jeden Tag mit dem Team in der Gruppe zu sprechen und Einzelgespräche per Video abzuhalten.

Es kann auch bedeuten, alles Menschenmögliche zu tun, individuelle Unterstützung zu bieten und insbesondere den Mitarbeitern zur Seite zu stehen, die stärkere Schwierigkeiten haben. Führungskräfte müssen jetzt Flexibilität an den Tag legen und für jede Situation und jede Person eine individuelle Lösung finden, während sie selbst auch versuchen, sich an den neuen Ist-Zustand zu gewöhnen.  

Mehr dazu

Für weitere Informationen dazu, wie Sie Ihre Belegschaft während der Corona-Pandemie unterstützen können, besuchen Sie unseren Peakon Support Hub.

Dort finden Sie eine Reihe von Artikeln und Webinaren zum Thema. Außerdem können Sie sich dort zu unseren kostenlosen Mitarbeiterbefragungen zum Coronavirus anmelden. Diese helfen Ihnen zu verstehen, wie sich die Pandemie auf Ihre Mitarbeiterinnen und das Unternehmen auswirkt und was Sie tun können, um sie mit entschiedenem Handeln zu unterstützen.

Autor - Dr Joe Cainey