Kommentare der Mitarbeiter zum Coronavirus

Dr Joe Cainey
Kommentare der Mitarbeiter zum Coronavirus

Ein unbekannter Virus – der Coronavirus – tauchte Ende vergangenen Jahres erstmals in den Nachrichten auf.

Wir konnten damals noch nicht erahnen, dass diese unsichtbare Bedrohung nur Monate später in jeden Bereich unseres Lebens eindringen würde und jede Schlagzeile, jedes Fernsehprogramm und Soziale Medien weltweit dominieren würde.

Es war erst im Februar 2020, dass der Coronavirus zu einem globalen Begriff und zum Thema Nr. 1 an Arbeitsplätzen wurde. Die Gespräche darüber beschränkten sich jedoch nicht nur auf einen kurzen Austausch zwischen Kollegen auf dem Flur oder in der Kaffeepause. Mit zunehmender Besorgnis schlich sich der Virus auch verstärkt in die anonymen Mitarbeiterkommentare bei Mitarbeiterbefragungen ein.

Der allererste Kommentar bezüglich des Coronavirus landete auf Peakons Datenbank am 27. Januar 2020. Der Kommentar wurde in China verfasst, wo der Virus zunächst auftrat und zu dem Zeitpunkt bereits direkten Einfluss auf das Leben der Bürger nahm.  

Daraufhin kamen hier und da immer wieder Kommentare in allen Regionen der Welt zu dem Thema auf. Das ging so bis Anfang März, als die Zahl von Corona-bezogenen Kommentaren durch die Decke ging. In den ersten beiden Wochen des Monats und als die WHO den Status quo der Pandemie erklärte, konnte Peakon eine Zunahme von 106 % bei Kommentaren zu dem Thema weltweit feststellen.  

Die Kommentare der Mitarbeiter befassen sich mehr mit dem Virus, je stärker seine Ausbreitung in der entsprechenden Region ist.
Grafik 1: die Zunahme der bestätigten Corona-Infektionen in China und dem Rest der Welt
Grafik 2: der Anteil der Kommentare zum Coronavirus pro Tag

In der dritten Märzwoche stieg die Kurve sogar noch weiter an, als der Anteil der Kommentare zur Krankheit um das Zehnfache anstieg. Am 18. März standen dann 1,5 % aller Mitarbeiterkommentare dieses Tages mit dem Coronavirus in Zusammenhang. . 

Warum? 

Die Welt wurde sich langsam der sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bewusst und so wendeten sich Arbeitnehmer auf der Suche nach Antworten und Rat an ihre Arbeitgeber und Vorgesetzten. 

Die aktuelle Zahl der Kommentare – ca. 300 pro Tag – verdeutlicht nicht ganz den Wunsch der Mitarbeiter, dass Unternehmen aktiv werden oder Klarheit darüber bieten, was als nächstes passiert.

Am 18. März bezogen sich 1,5 % aller Mitarbeiterkommentare weltweit auf den Coronavirus. 

Peakon Datenbank

Die Kommentare in den Peakon-Umfragen sind zu einem Kanal geworden, über den Mitarbeiter ihre Ansichten und Sorgen in Bezug auf die Krise äußern; Feedback dazu hinterlassen, was als nächstes geschehen sollte, und sogar ihre Dankbarkeit für bereits ergriffene Maßnahmen ausdrücken. Obwohl wir niemals den Inhalt von Mitarbeiterkommentaren veröffentlichen, können wir dennoch verlautbaren, dass die überwiegende Mehrheit der Kommentare negativ ist – und von einer niedrigen numerischen Bewertung begleitet werden.

Die Befragungsteilnehmer nutzen aktuell die Gelegenheit der Umfrage, um den Virus bei ihren Antworten auf die meisten Fragen in der Umfrage anzusprechen, was sich auch in den aktuell am häufigsten verwendeten Begriffen zeigt: Corona, Covid, Virus, Pandemie, Situation, Büro, leiten, Reaktion, Krise, Auswirkungen, Gesundheit, Kommunikation, Home-Office, Familie, Handdesinfektionsmittel und reisen. Das lässt darauf schließen, was Angestellten genau Sorgen bereitet.

Auf den Spuren des Virus weltweit

Das Auftreten von Kommentaren zum Thema zeichnete im Allgemeinen die weltweite Ausbreitung des Virus nach. Während die Kommentare zunächst im Osten in China auftraten, bewegten sie sich bald in Richtung Westen – und nahmen in Europa exponentiell zu, nachdem die ersten Fälle des Virus hier bestätigt wurden. So ließ sich auch im Vereinigten Königreich und den USA beobachten, dass die Kommentare der Befragungsteilnehmer am 1. März stark zunahmen, als der Ausbruch des Virus auch in diesen beiden Ländern zur Realität wurde. 

Im Vereinigten Königreich ließ sich zwischen der ersten und der zweiten Märzwoche eine Zunahme von 156 % beobachten. In der dritten Woche des Monats, als der Ernst der Lage all zu offenbar wurde, wuchs dieser Anstieg auf sage und schreibe 900 % an. 

Ähnlich verhielt es sich auch in den USA, wo Anfang März ein wöchentlicher Zuwachs von Corona-bezogenen Kommentaren verzeichnet wurde. In der dritten Märzwoche erlitt der Aktienmarkt seinen schwärzesten Tag seit 1987 und der Anteil von Kommentaren zum Virus stieg um 1200 % an.

Sobald Maßnahmen gegen den Coronavirus ergriffen werden, nimmt seine Erwähnung in den Kommentaren der Mitarbeiter ab.
Anteil von Kommentaren zum Coronavirus nach Land

Es scheint auch einen Zusammenhang zu geben zwischen den Schutzmaßnahmen, die in jedem Land ergriffen werden, und dem Anteil von Kommentaren zum Thema. In Singapur, wo radikale Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Virus ergriffen wurden, war der Zuwachs an Kommentaren dazu deutlich langsamer. In Italien fiel der Anteil von Corona-bezogenen Kommentaren, sobald die Ausgangssperre im Land verhängt wurde. 

Was bedeutet das für Unternehmen?

Wie wir aus unserem kürzlich veröffentlichten Employee Voice Report bereits wissen, hinterlassen Mitarbeiter doppelt so oft Kommentare, wenn sie mit irgendetwas unzufrieden oder über etwas besorgt sind. Aktuell sind Angestellte weltweit verständlicherweise besorgt über die Krankheit COVID-19 und ihre Folgen auf beruflicher ebenso wie privater Ebene.  

Wie die Daten bereits andeuten, haben Angestellte weniger häufig das Bedürfnis, das Thema in ihren Kommentaren ansprechen zu müssen, sobald die Situation im Griff ist oder Maßnahmen ergriffen wurden (in diesem Fall seitens der jeweiligen Regierung oder des Arbeitgebers). Es ist also positiv, eine höhere Zahl von Antworten seitens der Manager auf die Kommentare zu Corona ebenso zu sehen wie eine höhere Frequenz von Reaktionen per 1-Klick-Feedback – dabei ist jeweils ein Zuwachs von 7 % und 15 % zu verzeichnen. Dies ist eine einfache Möglichkeit, der Belegschaft zu zeigen, dass ihre Kommentare aufgenommen werden und ihr Feedback geschätzt wird. 

Wenige von uns haben eine ähnliche Zeit bereits einmal durchlebt. Der Ausbruch des Coronavirus wird umfassende langfristige Auswirkungen auf uns alle haben und die Arbeitswelt für immer verändern. 

Viele Arbeitnehmer werden sich nicht nur an neue Arbeitsweisen gewöhnen, wie zum Beispiel auf unbestimmte Zeit von zu Hause zu arbeiten, und darüber hinaus mit bisher unbekannten Folgen zu tun haben, wie Selbstisolation, Krankheit, Schulschließungen oder gar einer größeren Unsicherheit in Bezug auf den eigenen Arbeitsplatz. Wenn es also jemals einen Moment gab, in dem es wichtig ist, regelmäßig Feedback abzugeben und zu erhalten, dann ist dieser jetzt.

Arbeitnehmer erwarten von ihren Arbeitgebern klare Kommunikation und entschiedenes Handeln. Der Umgang von Unternehmen mit dieser Situation wird sich langfristig darauf auswirken, wie viel Vertrauen die Mitarbeiter in die Organisation haben. Ebenso kann er entscheidend dafür sein, wie schnell sich alles erholen wird, wenn die Welt diese Situation überstanden hat.

Autor - Dr Joe Cainey