Warum geistiges Wohlbefinden in der Finanzbranche aktuell dreimal häufiger thematisiert wird

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Warum geistiges Wohlbefinden in der Finanzbranche aktuell dreimal häufiger thematisiert wird

Wir erleben gerade eine der schlimmsten Rezessionen der Geschichte. Sie ist schlimmer als die Weltfinanzkrise 2007 und auch schlimmer als die Große Depression, die dem Glanz der 1920er Jahre ein Ende setzte.

Diesmal hat alles seinen Ursprung im globalen Ausbruch des Coronavirus. Im Zuge eines Zusammenbruchs der Weltwirtschaft als Folge dessen ist die Finanzbranche zu einem ausschlaggebenden, zentralen Element geworden, das die Auswirkungen abmildern und die wirtschaftliche Erholung fördern kann.

Der Druck wächst auf die Finanzinstitutionen, bei der Erholung der Wirtschaft zu helfen — und dieser Druck kommt auch bei ihren Mitarbeitern an. Es liegt auf der Hand, dass sich das ganz konkret auf sie auswirkt.

Wir haben uns etwas genauer mit dem Kommentarverhalten der Angestellten in dieser Branche auseinandergesetzt, um weitere Stressfaktoren zu identifizieren, denen sie sich gegenüber sehen, und zu verstehen, wie sich das auf ihre psychische Gesundheit auswirkt.

Wohlbefinden in der Finanzbranche zwischen März und Mai dreimal häufiger angesprochen

Als die Unsicherheit im Zuge der Pandemie zunahm, schlug sich das auch in den Kommentaren Angestellter weltweit nieder — dabei war die Finanzbranche keine Ausnahme.

Im März bestimmte das Thema Wohlbefinden 5,2 % aller Mitarbeiterkommentare der Finanzbranche auf der Peakon-Plattform. Im Mai war der Anteil bereits deutlich größer.

Global betrachtet bezogen sich 10,8 % aller Mitarbeiterkommentare im Mai auf das Thema. In der Finanzbranche lag diese Zahl jedoch mit 14,5 % deutlich höher. Das Wohlbefinden in der Finanzbranche wurde von den Mitarbeiterinnen also nicht nur um 34 % mehr als von Mitarbeitern anderer Branchen thematisiert, sie sprachen es im Mai auch dreimal häufiger an als noch im März.

Die Mitarbeiterkommentare in Bezug auf das Wohlbefinden verdreifachten sich zwischen März und Mai.

In diesem Zeitraum hatten es die Mitarbeiterinnen dieser Branche mit zunehmendem externen Druck sowie einer schwierigen Work-Life-Balance zu tun. Unsere Daten zeigen, dass sich das sehr negativ auf ihre psychische Gesundheit auswirkt — und sie mehr Unterstützung von ihren Organisationen einfordern.

Berufliche Sicherheit und Work-Life-Balance sind Prioritäten

Wir verstehen noch besser, wie sich der Berufsalltag der Angestellten des Finanzsektors während COVID-19 gestaltet, wenn wir uns ihre Kommentare zum Thema Wohlbefinden in der Finanzbranche ansehen.

Eine Analyse der zehn Begriffe, die am häufigsten in Kommentaren zum Thema Wohlbefinden in dieser Branche auftauchen, zeigt, dass die berufliche Sicherheit der am häufigsten auftauchende Begriff im März und April war. Andere Begriffe wie Rückversicherung, Kommunikation, Unsicherheit und Stress betonen ebenso, wie sich die andauernde Unsicherheit über Monate hinweg negativ auf die geistige Gesundheit der Angestellten ausgewirkt hat.

Im Mai wurde Work-Life-Balance weltweit zu einem der wichtigsten Themen für Mitarbeiter dieser Branche, die auch die Begriffe Familie und Home-Office häufig erwähnten. Das zeigt die Herausforderung, vor der sie aufgrund der verschiedenen Anforderungen ihres Lebens stehen, während gleichzeitig wachsender Druck auf ihnen lastet, die globale Wirtschaft zu stützen.

Analysen verschiedener Branchen platzieren die Finanzbranche regelmäßig unter den schlechtesten Branchen für das Wohlbefinden der Angestellten, insbesondere in Bezug auf Stress, Work-Life-Balance und geistiges Wohlbefinden. Wie wir den Kommentaren der Mitarbeiterinnen dieser Branche entnehmen können, fordern sie mehr Unterstützung von ihren Unternehmen ein.

Warum es gut für’s Geschäft ist, das Wohlbefinden der Belegschaft zu fördern

Wie wir in unserem Employee Expectations Report 2020 herausfanden, steigt die Erwartung der Mitarbeiter an das eigene Wohlbefinden über alle Branchen hinweg — doch insbesondere in der Finanzbranche nimmt diese Erwartung zu.

In den letzten Monaten ist diese Erwartung geradezu zu einem lauten Aufschrei geworden. Angestellte der Finanzindustrie weltweit sehen sich der Forderung nach einer stabilen Wirtschaftslage gegenüber und das wirkt sich verständlicherweise auf ihr geistiges Wohlbefinden aus.

Dennoch sind die Mitarbeiterinnen der zentrale Erfolgsfaktor für ihre Unternehmen und ihr Erfolg beginnt damit, dass die Organisationen für ihr Wohlbefinden sorgen — geistig und körperlich. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Unternehmen in dieser Branche bei der Rückkehr ins Büro inmitten einer Rezession den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter zuhören und sie unterstützen.

Bei steigendem Stressniveau und Arbeitspensum müssen Unternehmen der Finanzindustrie ihren Mitarbeitern gegenüber Empathie zeigen und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Einzelnen individuell eingehen. Am wichtigsten ist, dass die Organisationen regelmäßige Kommunikation pflegen, um Vertrauen zu schaffen, damit sich die Angestellten geschützt, unterstützt und sicher fühlen.

Erfahren Sie mehr dazu, wie Sie Ihre Mitarbeiter während der Pandemie unterstützen können.

Autor - Camille Hogg