Was wir im Lockdown über das Arbeiten gelernt haben, Teil 2: Das Büro

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Was wir im Lockdown über das Arbeiten gelernt haben, Teil 2: Das Büro

Das Büro war schon immer der Teil unserer Arbeit, den wenige von uns besonders hinterfragt haben.

In den Zeiten vor Computern und dem Internet war das Büro ein Ort, an dem wir uns versammelten, um unser gemeinsames Ziel zu verfolgen. Es war der notwendige Ort der Kommunikation, des Wissensaustausches und des Abschlusses von Geschäften.

Selbst als sich die Technologie weiterentwickelte und uns die Möglichkeit bot, von überall aus zu arbeiten, blieb das Konzept des Büros weiter unangefochten. Erst der Lockdown infolge der Coronavirus-Pandemie versetzte uns in die Lage, die Gründe für unser tägliches Erscheinen im Büro zu hinterfragen — denn er zeigte uns, was wir vermissen, wenn wir gezwungenermaßen nicht ins Büro gehen können.

Einige dieser Dinge lassen sich leicht an einem anderen Ort einrichten, so zum Beispiel die Arbeitsausstattung und die Werkzeuge, die wir benötigen. Es gibt jedoch einige, weniger greifbare Aspekte, die sich schwieriger an anderer Stelle nachempfinden lassen — dazu zählen die zusätzliche Bewegung und die Zeit zum Nachdenken beim täglichen Pendeln oder der spontane Austausch von Ideen mit den Kollegen.

Was den meisten von uns am stärksten gefehlt hat, sind die informellen Gespräche mit anderen. Diese „Flurgespräche“ sind sehr wichtig für den unterbewussten Aufbau von Beziehungen innerhalb des eigenen Teams und ebenso mit anderen Teams und sie bestimmen, wie verbunden wir uns mit dem Unternehmen fühlen.

In unserem letzten Beitrag haben wir uns damit beschäftigt, wie unterschiedlich die Erfahrungen des Arbeitens von zu Hause während der Pandemie sind. In Teil 2 wollen wir uns ansehen, wie COVID-19 unsere Wahrnehmung der Arbeit im Büro verändert hat — und was das für die Zukunft der Arbeitswelt bedeuten könnte.

Zur Arbeit zurückzukehren, war keine riesige Sache, es wird aber dadurch auch nicht alles sofort wieder normal. Doch wie bei jeder Veränderung, die man durchmacht, tasten wir uns ran und finden uns in diesen neuen „Normalzustand“ ein.

Shanice, Account Executive, Auckland

„Mir fehlt das Quatschen mit den Kollegen bei einem Kaffee.“

„Eine Sache, die mir Schwierigkeiten bereitet hat, war, dass ich einfach die persönlichen Interaktionen mit anderen aus meinem Team mag“, sagt Bobby, ein Customer Success Consultant aus unserem Team in London. „Das ist eine Kleinigkeit, aber sie fehlt mir sehr.“

„Online fühlt es sich so an, als ob es einen zusätzlichen Schritt zur Kommunikation gibt, es ist nicht natürlich,“ fügt er hinzu. „Man spricht möglicherweise mit jemandem am Ende des Tages und die Person sagt, sie habe einen anstrengenden Tag gehabt, weil man sie aber nicht sieht, hat man keine richtige Vorstellung. In einem persönlichen Gespräch lässt sich leichter die Atmosphäre des Gesprächs einfangen und wie es der anderen Person gerade geht.“ 

„Das Arbeiten von zu Hause hat mir gezeigt, wie sehr ich mich freue, wieder ins Büro zurückzukehren“, sagt er mit einem Lächeln. „Ich möchte mein Team sehen und mit meinen Kollegen einen Kaffee trinken — das klingt nach so einer einfachen und schönen Sache.“

AP, unsere Product Managerin, die ebenfalls in London tätig ist, stimmt Bobby da zu. Sie fügt hinzu, dass der Kontakt mit anderen Menschen im Büro für ihr Wohlbefinden wichtig ist: „Ich hatte während der Ausgangssperre einige sehr stressige Wochen — im Büro kann ich normalerweise etwas Dampf ablassen, indem ich mit jemandem einen Kaffee trinke und ein bisschen quatsche.“

„Es gibt Personen, mit denen ich gar nicht so viel zu tun habe und mit denen ich auch nicht oft spreche, die mir jetzt aber fehlen. Ich habe diese lockeren Beziehungen mit entfernteren Kollegen bisher immer als selbstverständlich hingenommen. Jetzt fehlen mir unsere Gespräche. Ich möchte auf jeden Fall meine Beziehung zu diesen Personen festigen, wenn ich wieder im Büro bin.“

„Ich mag die räumliche Trennung von Arbeit und Privatem lieber.”

„Ich dachte, dass ich das Arbeiten von zu Hause nach der Zeit im Lockdown mehr mögen würde“, beginnt Karolina, unsere Mobile Product Managerin in Kopenhagen, das Gespräch. „Stattdessen fand ich es noch schwieriger — Ich habe ein Problem, wenn ich Räume für verschiedene Zwecke gleichzeitig nutze.“

„Ich mag die morgendliche Routine sehr, sich fertig zu machen und dann ins Büro zu gehen. Mein Zuhause ist für mich ein Ort, an dem ich entspanne und nicht arbeite oder Sport treibe. Ich fand es schwierig, all diese Dinge an einem Ort zu tun.“

„Die Arbeit im Home-Office während des Lockdowns hat mir gezeigt, wie wichtig mir die Trennung von Arbeit und Privatem ist — und diese Trennung möchte ich auf jeden Fall beibehalten.“

Tony, ein Mitglied unseres Sales-Teams in den USA, stimmt dem zu: „Ich musste mich auf jeden Fall daran gewöhnen. Meine Frau und ich leben in einer gemütlichen Wohnung in New York, wir hatten auf einmal jedoch nicht mehr die Gemeinschaftsräume zur Verfügung, die wir gewohnt waren. Es war schwierig dafür zu sorgen, dass wir nicht die Telefonate des anderen störten.“

„Ich finde Zusammenarbeit im Büro einfacher.“

„Eine Herausforderung des Arbeitens von zu Hause war für mich die Zusammenarbeit mit anderen,“ sagt Katrina, Brand Designerin in Kopenhagen.

„Wenn alle zu Hause arbeiten, ist es schwieriger zu wissen, wer woran gerade arbeitet. Im Büro weiß man das vielleicht auch nicht immer 100 %, aber man kann den anderen einfach kurz über die Schulter schauen und sich ein Bild davon machen, womit sie gerade beschäftigt sind.“

„Nicht genau zu wissen, woran meine Kollegen gerade arbeiteten, hat mich zusätzlich nervös gemacht — man kann sich schnell abgekapselt fühlen, wenn man nicht weiß, was das eigene Team gerade macht. Es war nicht immer einfach, Prioritäten festzulegen oder die kleinen Details wahrzunehmen, die unserer täglichen Arbeit Klarheit geben. Prozesse und Kommunikation wurde in dieser Zeit noch zeitaufwendiger.“

Wenn es um Projekte geht, bei denen Zusammenarbeit nötig ist, findet Bec, Peakons FP&A Finance Business Partner in London, dass die richtige Technologie helfen kann, die persönliche Zusammenarbeit vor Ort jedoch durch Videotelefonie nicht ersetzt werden kann.

„Anrufe auf Zoom bringen an sich schon eine weitere Herausforderung mit sich. Für mich gibt es keinen Ersatz dafür, mit den anderen Teammitgliedern am selben Ort zu sein. Wenn man im Büro zusammenarbeitet, hat man eine Synchronizität, die die Zusammenarbeit bei Projekten erleichtert.“

„Bei der Rückkehr ins Büro geht es um die Gewöhnung an einen neuen Normalzustand.“

„Die Ausgangssperre war für unser Team ein soziales Experiment, in dem wir versuchten, unsere Kultur und unsere Zusammenarbeit beizubehalten, während wir räumlich getrennt waren“, erzählt Shanice, Account Executive in unserem Team in Auckland. „Unser Team ist klein, vor dem Lockdown sind also alle immer lieber ins Büro gekommen als von zu Hause zu arbeiten.“

„Zu Beginn des Lockdowns wollten alle besonders Zeit miteinander verbringen und wir aßen jeden Tag gemeinsam Mittag auf Zoom. Nach sieben Wochen fand ich jedoch, dass die dauerhafte digitale Verbindung zu einer Herausforderung wurde.“

„Als wir ins Büro zurückkehrten, erfolgte eine weitere Eingewöhnung, nun in die Arbeit am selben Ort — das kann man nicht so einfach wieder einschalten. Wir sind die einzigen, die diesen Schritt bisher gegangen sind, und es gibt kein Handbuch dazu, wie man es am besten macht.“ 

„Zur Arbeit zurückzukehren, war keine riesige Sache, es wird aber dadurch auch nicht alles sofort wieder normal. Doch wie bei jeder Veränderung, die man durchmacht, tasten wir uns ran und finden uns in diesen neuen „Normalzustand“ ein.“

Warum es essenziell ist, die Erfahrungen der Mitarbeiter in diesen Zeiten zu verstehen

In den letzten Monaten haben viele Organisationen den Übergang zum mobilen Arbeiten vollzogen. Das hat eine lebhafte Diskussion darüber in Gang gebracht, wie die Zukunft des Büros als physischem Ort der Zusammenarbeit aussieht.

Im Gespräch mit unseren eigenen Mitarbeitern haben wir gelernt, dass wir viele von uns das Büro zu schätzen wissen, da es effektivere Zusammenarbeit und die Trennung unseres Berufs- und Privatlebens ermöglicht. Obwohl die Unternehmenskultur mehr ist als ein Büro, liegt es auf der Hand, dass ein gemeinsamer Raum tiefere Beziehungen zu den Kollegen fördert und sich damit auch positiv auf die Verbindung zwischen Mitarbeiter und der Organisation als Ganzes auswirkt.

Unternehmen überlegen sich jetzt, wie sie in der Welt nach der Pandemie ihren Betrieb gestalten werden. Die Erfahrungen der letzten Monate sollten sie im Hinterkopf behalten, wenn sie hybride Arbeitsmodelle oder mobiles Arbeiten in Betracht ziehen.

Obwohl viele Mitarbeiter eine bessere Work-Life-Balance während der Pandemie erlebt haben, hält sich die Mehrheit jedoch eher dabei zurück, dass Büro als redundant zu bezeichnen. Da Zusammenarbeit mit anderen und der Aufbau von zwischenmenschlichen Beziehungen dabei zentrale Gründe für das Büro sind, sollten Büros in Zukunft vielleicht weniger Räume voller Schreibtische und eher Räume der Zusammenarbeit darstellen.

In erster Linie sollten Unternehmen in die Technologie und die Werkzeuge investieren, die diese Verbindungen zwischen ihren Mitarbeitern fördern — sowohl für die Zusammenarbeit als auch für die Pflege der Unternehmenskultur.

Autor - Camille Hogg