Eingeschneit und ausgebrannt: sinkende Produktivität aufgrund von COVID-19

Blaise Radley
Eingeschneit und ausgebrannt: sinkende Produktivität aufgrund von COVID-19

Wir befinden uns im Jahr 2019 — Anfang Dezember, um genau zu sein. Gerade in diesem friedlichen Moment zum Ende von 2019 hin und vor 2020. Möglicherweise träumen Sie von verschneiten Weihnachtstagen in dieser Zeit als ein unmaskierter Weihnachtsmann, der den Schornstein heruntergeklettert kommt, noch kein Vergehen im Sinne des Social Distancing darstellte.

Ein Jahr später sieht alles anders aus. 2020 hat uns alles abverlangt. Sei es in Hinblick auf die finanziellen und körperlichen Herausforderungen, vor die uns COVID-19 gestellt hat, oder in Hinblick auf die psychischen Schwierigkeiten oder die schiere Langeweile, die der Lockdown unweigerlich mit sich bringt. Ist es da überraschend, dass die Produktivität gesunken ist?

Unserer Umfrage zum Jahresende 2020 zufolge haben 82 % der über 8000 befragten Angestellten weltweit das Gefühl, dass ihre Produktivität über die Feiertage sinken wird. Mehr noch als in jedem anderen Jahr verdienen wir alle eine Pause (und vielleicht einen großen Pott Glühwein). 

Peakons Umfrage zum Jahresende ist nichts Neues. Wir führen regelmäßig Umfragen zu dieser Zeit des Jahres durch, wenn Angestellte alljährlich beschließen, dass genug genug ist, und anfangen herunterzufahren. Hat Corona diesem Trend etwas entgegengesetzt? Oder ist heute das Bedürfnis größer denn je, den Bauch mit Weihnachtsgebäck zu füllen und zu entspannen?

Millennials und die Generation Z sind am stärksten betroffen

Die meisten geben zu, dass ihre Produktivität über die Feiertage absinkt — sage und schreibe 82 % sagen das weltweit. Hinter dieser Zahl verbirgt sich jedoch auch ein Unterschied zwischen den unterschiedlichen Generationen, der zeigt, wie unterschiedlich die Arbeitswelt für sie ist.

Der Prozentsatz derer, die die Reduktion ihrer Produktivität als sehr stark oder ein bisschen reduziert einschätzen, war entsprechend differenziert: 88 % (Alter 18-34), 83 % (Alter 35-54) und 74 % (Alter 55 und älter). Das bedeutet, dass bei den 18-34-jährigen mehr als 18 % höchstwahrscheinlich geringere Produktivität über die Feiertage verzeichnen als bei den über 55-jährigen.

Produktiv auch während der Feiertage

Hier gibt eine deutliche Inkongruenz. Die älteren Beschäftigten könnten zynischerweise behaupten, dass ihre jüngeren Pendants weniger Durchhaltevermögen haben und weniger motiviert sind. Diese negative Sichtweise entspricht einer häufig auftretenden Darstellung der Millennials als empfindliche und individualistische Personen. Statt mit der Arbeitsmoral sollten wir uns jedoch lieber mit den sich ändernden Einstellungen zur Arbeit und zum Thema psychische Gesundheit befassen.

Die Angestellten der Generation Z und zu einem geringeren Grad auch die Millennials reifen in Arbeitsplätzen heran, wo die psychologische Sicherheit der Belegschaft an erster Stelle kommt. Manager und Managerinnen zeigen bringen heute nicht mehr Missachtung entgegen, wenn zugegeben wird, dass in den Wintermonaten die Produktivität sinkt.

Wenn wir hinterfragen, warum die Mitarbeiterinnen sich weniger produktiv fühlen, sollte das nicht als Kritik gemeint sein. Es sollte eher auf Mitgefühl fußen. Es ergibt keinen Sinn, eine Frage zu stellen, wenn man nicht bereit ist, die Antwort zu hören. 

24 % der Kurzarbeiter fühlen sich weniger produktiv 

Es ist normal, dass im Dezember etwas heruntergefahren wird. Die Tage werden kürzer und die Nächte kälter. Wer kann sich mit einem Bauch voller Weihnachtsgebäck schon noch ordentlich konzentrieren? Dieses Jahr steckt hinter den funkelnden Weihnachtslichtern jedoch eine andere Geschichte als üblich. Sind wir wirklich in der Stimmung für „besinnliche Weihnachten“?

Nahezu ein Fünftel der Befragten (19 %) gaben an, dass ihre Produktivität aufgrund der Pandemie in diesem Jahr schneller sinkt. Bei Angestellten, die in den Kurzarbeit gehen mussten, stieg diese Zahl sogar auf 24 %. Diese Phasen der Nicht-Beschäftigung senkten für nahezu ein Viertel der Teilnehmenden eher das Mitarbeiter-Engagement statt als Erholungspause zu dienen.  

Wie produktiv waren wir während der Pandemie

2020 war von Unsicherheit geprägt und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Zwangsurlaub spürten das am meisten. Bei der Vielzahl von unvorhergesehenen Ereignissen in diesem Jahr, wie den Infektionszahlen oder den nationalen Einschränkungen und Maßnahmen in jedem Land, hat die berufliche Sicherheit einen noch größeren Stellenwert eingenommen. Selbst für die, die zur Arbeit zurückgekehrt sind, wirkt sich die Unsicherheit nach wie vor auf ihre Motivation aus.

Fast ein Zehntel weniger produktiv schon vor dem 1. Dezember

Eine häufige Beobachtung in diesem Jahr war, dass das Zeitgefühl verzerrt wurde. Einige Monate schienen ewig zu dauern und andere gingen augenblicklich vorbei. Möglicherweise ist das der Grund dafür, dass 9 % der Befragten angaben, bereits vor dem 1. Dezember an Produktivität eingebüßt zu haben.

Der Grund liegt teils auf der Hand: Das menschliche Hirn funktioniert nicht wie ein Kalender. Man kann leicht in die westliche christliche geprägte Aufteilung des Jahres verfallen. Das ist jedoch nur eine Betrachtungsweise. Das Jahresende steht zwar üblicherweise für Feierlichkeiten, das ist jedoch nicht immer und nicht überall so — im traditionellen chinesischen Kalender fängt das Jahr zum Beispiel normalerweise nicht vor Februar an.

Weniger produktiv schon vor Dezember, Statistik nach Nationalitaeten

US-Amerikaner waren in diesem Jahr die Gruppe, die am stärksten gefährdet war, ihre Produktivität vor Dezember zu verlieren. 12 % von ihnen gaben bereits im November an, nicht mehr so produktiv zu arbeiten. Obwohl die USA vielleicht das Gesicht von Weihnachten sind, gibt es in dem Land einen weiteren Grund zu feiern kurz davor: Thanksgiving. Für viele US-Amerikaner beginnt die Feiertagszeit damit jedes Jahr am vierten Donnerstag im November. 

Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, dass die Angestellten sich nicht ein bestimmtes Datum setzen, wann sie weniger produktiv arbeiten, und sich dann daran halten. Wir müssen die vielfältigen Gründe anerkennen, die dazu führen. Für manche ist es die Aufregung, ihre Familien — gegebenenfalls zum ersten Mal in Monaten sehen zu können — für andere ist es einfach starke Erschöpfung. In jedem Fall ist es notwendig, der eigenen Belegschaft zuzuhören und ihre individuellen Gründe zu erfahren. 

Fast ein Drittel steht kurz vor dem Burnout

Ganz gleich, ob die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen pausenlos durch die Pandemie gearbeitet haben oder mit Kurzarbeit, Entlassung oder der Herausforderung des Arbeitens von zu Hause konfrontiert waren, das Endergebnis ist dasselbe. Alle sind am Ende ihrer Kräfte.

29 % aller Befragten sagten, dass sie sich sehr ausgebrannt fühlten. Unabhängig von ihren Gründen ist das keine Zahl, die auf die leichte Schulter zu nehmen ist.

Burnout after COVID-19 statistics

Wenn wir diese Zahl nach Gender aufteilen, sehen wir, dass 34 % aller Frauen und 25 % der Männer sich so fühlen, als ob sie am Anfang eines Burnouts stehen. Dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern — eine Zunahme von 36 % — zeigt einen Aspekt, der im Zusammenhang mit der Pandemie häufig missachtet wird: die unproportionalen Auswirkungen für Frauen.

In einer im April erschienenen Veröffentlichung der Vereinten Nationen mit dem Titel Die Auswirkungen von COVID-19 auf Frauen heißt es:

Überall auf der Welt verdienen Frauen weniger, sparen weniger an, haben Arbeitsstellen mit geringerer Sicherheit und werden eher unter der Hand angestellt. Sie haben weniger Zugang zu sozialer Sicherheit und führen die Mehrheit der alleinerziehenden Haushalte. Sie sind deshalb in einer schlechteren Position, wirtschaftliche Rückschläge auszugleichen, als Männer.

Die Auswirkungen von COVID-19 auf Frauen

Frauen werden oft neben ihrem Beruf zusätzlichen Stressfaktoren ausgesetzt, sei es Kinderbetreuung oder Haushalt. Im Hinblick auf Burnout müssen die Bedürfnisse der einzelnen Person in Betracht gezogen werden und sie muss Gelegenheit bekommen, sich zu äußern. Die Möglichkeit dazu ist unabdingbar, wenn wir nicht wollen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im neuen Jahr untergehen.

2021: Burnout bekämpfen und produktiv arbeiten

Der Dezember ist schon halb rum und die Coronavirus-Impfung rückt in greifbare Nähe. Viele von uns versuchen nur, bis zum Jahresende durchzuhalten. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Arbeitgeber im neuen Jahr einfach zurücklehnen können.

Peakon-Daten haben in diesem Jahr gezeigt, dass das Mitarbeiter-Engagement inmitten der Pandemie mit Hilfe der Peakon-Plattform sogar gesteigert werden konnte. Unternehmen waren in der Lage, ihrem Personal Last von den Schultern zu nehmen, indem sie sich den häufigsten Problemen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen annahmen. Dazu zählte sowohl die Hilfe bei der Einrichtung eines Heimarbeitsplatzes als auch die Unterstützung der psychischen Gesundheit.

Mehr denn je müssen Sie jetzt Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zuhören, wenn Sie Ihr Unternehmen voranbringen möchten. Helfen Sie ihnen, produktiv arbeiten zu können.

Mit Peakon erhalten Sie relevante, aktuelle und umsetzbare Erkenntnisse dazu, wie es Ihrer Belegschaft geht und was ihr fehlt. Buchen Sie noch heute eine Demo, um mehr zu unserer intelligenten Feedbacktechnologie zu erfahren. 

Autor - Blaise Radley