Was wir im Lockdown über das Arbeiten gelernt haben, Teil 1: Das Home-Office

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Was wir im Lockdown über das Arbeiten gelernt haben, Teil 1: Das Home-Office

Die COVID-19-Pandemie hat das gesamte Spektrum der menschlichen Erfahrungen abgedeckt. Wir haben alle Unsicherheit und Angst verspürt, das unmenschliche Erlebnis des Social Distancing gemacht und das unbequeme Aufeinanderprallen von Berufs- und Privatleben erlebt, als wir unseren Schreibtisch auf unsere Couch oder an unseren Esstisch verlegt haben.

Keiner von uns war mit diesen Erfahrungen allein, dennoch waren unser aller Erfahrungen in diesen Zeiten zutiefst individuell — und sie werden uns höchstwahrscheinlich noch eine Weile begleiten, auch wenn die Pandemie vorüber ist.

Für mich persönlich hat diese Zeit die Grenzen zwischen meinem Berufs- und Privatleben verschwimmen lassen und das hat zweifelsohne meine Beziehung zu meinen Kollegen nachhaltig verändert. Unsere Gespräche, die von Geschäftlichem zu Privatem und wieder zurück gewandert sind, haben den unsichtbaren Filter durchbrochen, den ich über all die Jahre zwischen beiden Welten aufgebaut hatte.

Als die Pandemie fortschritt und neue, spezifische Ängste mit sich brachte, wurde mir klar, dass ich mich auf diese kollegialen Beziehungen auf eine Art und Weise verlassen konnte, die ich nicht erwartet hatte, und dass ich mehr von mir preisgeben konnte, als ich es im Büro tun würde, wo ich Angst hätte, dass ich über mich geurteilt würde.

Das ist nur meine Erfahrung der Arbeit während des Lockdowns. Aufgrund dieser veränderten kollegialen Beziehungen fing ich an, mich zu fragen, welche Erfahrungen meine Kollegen wohl machten. Wir tauschten Geschichten aus und mir wurde klar, dass jede einzelne Person eine ganz eigene Erfahrung des Arbeitens in der Ausgangssperre machte.

Hier sind einige unserer Geschichten.

„Ich habe gelernt, mich selbst an erste Stelle zu stellen.“

„Der Lockdown hat mir gezeigt, wie voll mein Leben vorher war und wie wenig Zeit ich mir für mich selbst genommen habe“, sagt Deepa, Senior Enterprise Customer Success Manager aus London.

„Ich weiß, wie es aussieht, wenn ich erschöpft oder frustriert bin — in der Vergangenheit habe ich das oft unter den Teppich gekehrt, weil ich nicht aufhören wollte, Mutter oder Kollegin zu sein.“

„Ich pendelte, arbeitete und fuhr die Kinder zu zahllosen Vereinen — mein Kopf war so voll.“

„Das Arbeiten von zu Hause bedeutet für mich, dass ich mir mehr Zeit für mich nehmen konnte — in welcher Form auch immer ich das brauchte, sei es, um Sport zu treiben oder um etwas allein zu sein und meinen Kopf etwas frei zu kriegen. Ich bin sehr froh, dass ich diese drei Monate mit meiner Familie verbringen konnte, diese Zeit hat mir jedoch auch gezeigt, dass ich mehr an mich und die Verantwortung, die ich gegenüber mir selbst habe, denken muss.“

„Ich arbeite produktiv, so wie es für mich funktioniert.“

„Am Anfang dachte ich nicht, dass ich im Home-Office arbeiten könnte — ich war immer gern im Büro“, sagt Louise, unser Head of Customer Success, die im Büro in Kopenhagen tätig ist. „Auf einmal waren wir zwei Erwachsene in unserer recht kleinen Wohnung mit unserem zweijährigen Kind und ohne Kinderbetreuung. Es war nicht einfach, alles unter einen Hut zu bekommen.“

„Mein Ehemann und ich einigten uns, in Schichten morgens oder nachmittags zu arbeiten. Es war also wichtig, dafür zu sorgen, dass wir in dieser Zeit effektiv arbeiteten.“

„Anfangs fühlte es sich so an, als ob ich einfach nicht genug Stunden für die Arbeit aufbringen konnte. Mit der Zeit lernte ich dann aber, produktiver und konzentrierter zu arbeiten — und mir wurde klar, dass ich zu Hause mehr in kürzerer Zeit schaffen kann als im Büro, trotz der Einschränkungen.“

Torben, Peakons Lead Brand Designer, der ebenfalls im Kopenhagener Büro arbeitet, hat diese Veränderungen auch als positiv wahrgenommen.

„Es kann schwierig sein, sich von dem Präsenzgedanken frei zu machen. Ich habe die Zeit zu Hause aber wirklich genossen“, sagt er. „Zu Hause konnte ich mich ganz anders auf die Arbeit konzentrieren, das ist im Büro nicht immer möglich. Außerdem kann ich meine Stunden selbst festlegen und kann mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.“

„Zu Hause ist es schwerer abzuschalten.“

„Die Ausgangssperre war eine Erinnerung daran, mal abzuschalten“, sagt Bobby, ein Customer Success Consultant unseres Londoner Teams. „Es ist schwieriger, zu Hause abzuschalten, weil es so wenige Dinge gibt, die man tun kann, um ganz bewusst vom Beruflichen zum Privaten überzugehen. Man muss sich aber von der Arbeit lösen und die Freizeit wirklich ernst nehmen.“

Maggie, eine Talent Acquisition Managerin in New York, stimmt dem zu und fügt hinzu, dass es ihr geholfen habe, eine klare Struktur in ihrem Alltag beizubehalten.

„Wenn man den Computer zuklappt, arbeitet man vielleicht nicht mehr aktiv, aber gedanklich ist man noch im Arbeitsmodus”, sagt sie. „Es gibt nicht mehr die Routine des Arbeitswegs, den man nutzen kann, um runter zu kommen, also muss man das aktiver anders tun. Ich habe mich bemüht, direkt nach der Arbeit nochmal eine Runde spazieren zu gehen, damit ich nicht das Gefühl bekam, dass ich die ganze Zeit zu Hause war.“

„Es gibt eine neue Offenheit.“

„Eine wichtige Sache, die ich in dieser Erfahrung gelernt habe, ist, dass jeder zu Hause eine ganz andere Situation vorfindet“, sagt Joy. „Also muss man aufpassen, welche Annahmen man über den Gefühlszustand oder den Alltag der anderen zu Hause macht.“

„Eine gute Sache ist, dass wir eine ganz neue Offenheit darin erleben, dass die Mitarbeiter sagen ‚Mir geht’s heute nicht so gut’“, sagt Joy. „Es ist wichtig, dass sich die Kollegen wohl dabei fühlen, das zu äußern, denn es könnte sein, dass es einem morgen genauso geht.“

Torben sieht das genauso und merkt an, dass das Arbeiten von zu Hause für ihn als Manager es erleichtert hat, offen mit dem Team zu sprechen: „Einzelgespräche im Büro können sich manchmal wie ein formaler Prozess anfühlen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein solches Gespräch in den eigenen vier Wänden oft entspannter ist und die Mitarbeiter auch offener sind.“

Warum es für die Zukunft so wichtig ist, die Erfahrung Ihrer Mitarbeiterinnen zu verstehen

Wie in diesen Gesprächen deutlich geworden ist, hat jeder seine eigene Erfahrung während des Lockdowns gemacht und diese hängen stark davon ab, wo man ist, wie man arbeitet und wie die Situation zu Hause ist.

All diese Erfahrungen sind sehr individuell — und von den unterschiedlichen Erfahrungen werden sich unterschiedliche Angestellte in Unternehmen angesprochen fühlen. Wir haben aus den Geschichten unseres Teams gelernt, dass das Arbeiten zu Hause Vorteile mit sich bringt, wie mehr Zeit mit der Familie zu haben oder offener in den Beziehungen zu den Kollegen zu sein, aber auch, dass die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen und das gefährlich sein kann.

Wenn Unternehmen sich die nächsten Schritte für die Zukunft der Arbeit überlegen, sollten sie diese Dinge für ihre Mitarbeiter im Home-Office im Hinterkopf behalten. Sie müssen diesen Mitarbeiterinnen mehr Entscheidungsfreiheit geben, damit die Arbeit für sie funktioniert. Sie müssen auch klare Anweisungen geben, wie die Teams mit ihrem eigenen Wohlbefinden umzugehen haben und eine Balance zwischen Arbeit und Privatem schaffen. Das hängt davon ab, dass es eine Unternehmenskultur gibt, die auf gegenseitigem Vertrauen und Autonomie basiert — damit die Mitarbeiter die Arbeit so gestalten können, dass sie für sie funktioniert.

Wenn Sie mehr dazu erfahren möchten, wie Sie Ihre Mitarbeiter im Home-Office besser unterstützen können, Unterstützung haben, lesen Sie diesen Artikel.

Autor - Camille Hogg