Was bedeutet Gesundheit und Wohlbefinden in der neuen Arbeitswelt?

Matt Orozco
Was bedeutet Gesundheit und Wohlbefinden in der neuen Arbeitswelt?

Seit März hatte ich zwei große Panikattacken. Das ist nicht Neues für mich, aber bisher war ich froh, sie erst einige wenige Male in meinen 35 Lebensjahren erlebt zu haben. In den letzten Monaten gab es allerdings mehr Probleme als Lösungen, so scheint es. Es überrascht mich, wie oft ich innehalten und mich selbst daran erinnern musste zu atmen.

Damit bin ich nicht allein. Der Jobplattform Monster zufolge erleben 69 % der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die aufgrund der Pandemie im Home-Office arbeiten müssen, Burnout-Symptome. Für Menschen in systemrelevanten Berufen ist diese Zahl vermutlich noch höher.

Gesundheit und Wohlbefinden gewinnen als Themenbereich allgemein an Bedeutung. Dieser muss – wenn sich Privat- und Berufsleben stärker überschneiden – zu einer Priorität für Unternehmen werden. Wenn das Wohlbefinden ignoriert wird, wirkt sich das negativ auf die Arbeitssicherheit, die Produktivität und die Motivation aus – dabei spielt keine Rolle, ob die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Home-Office, im Büro oder einer Mischung aus beidem arbeiten.

Was kann und sollte man dafür tun?

Minimieren Sie die psychischen Auswirkungen der sozialen Isolation

Dem New England Journal of Medicine (NEJM) zufolge gehören Stress, Depression, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Angst, Frustration, Wut und Langeweile zu den üblichen emotionalen Auswirkungen der Ausgangssperre. Die unterschiedlichen Anweisungen in Bezug auf den Lockdown und die ambivalenten Aussagen von Regierung und Gesundheitsexperten steigern diese negativen Auswirkungen weiterhin. Je nach dem, wo Sie sich in der Welt aufhalten, können die Auswirkungen sehr unterschiedlich sein. Jede Region geht anders mit der Situation um. Selbst für diejenigen unter uns, die mit dem Alleinsein keine Schwierigkeiten haben, stellt die soziale Isolation eine Herausforderung für die psychische und physische Gesundheit dar.

Unser Lösungsvorschlag: Machen Sie Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf Ihre Unterstützungsangebote (Employee Assistance Programs = EAP) aufmerksam.

Solche Angebote sind eine Ressource, die zu selten genügend Beachtung findet. Das überrascht wenig, wenn man bedenkt, dass 79 % aller Unternehmen EAPs anbieten, jedoch weniger als 10 % der Angestellten sie nutzen

Doch wie das New England Journal of Medicine sagt, liegt für viele der Schlüssel zur Lösung dieser Probleme darin, genügend Ressourcen zur Verfügung zu haben, die erklären, wie Probleme zu erkennen und mit ihnen umzugehen ist.

Wenn Sie Ihren Angestellten also die Ressourcen bieten, damit sie sich um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden kümmern können, können Sie den negativen Auswirkungen entgegenwirken. Aaron Blaxall, HR und POD Business Analyst bei Radian hat vor kurzem die Eight Dimensions of Wellness seines Unternehmens veröffentlicht, die Podcasts, Videos, Guides und weitere Materialien enthalten, um die psychische Gesundheit zu unterstützen. Außerdem betonte er, wie entscheidend das war, um das Mitarbeiter-Engagement trotz der negative Auswirkungen der Pandemie hoch zu halten.

Finanzielle Sorgen mit mehr bezahlten Krankheitstagen ausräumen

Weltweit hört man in den Nachrichten von den negative Auswirkungen der Pandemie. Das steigert Unsicherheit in Bezug auf die eigenen finanzielle Situation und führt zu zunehmenden sozialen Ungerechtigkeiten. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zu den psychologischen Folgen der Pandemie fand heraus, dass soziale Isolation und Einsamkeit mit Angst und Depression in engem Zusammenhang stehen. Menschen mit schlechter Gesundheit oder aus schlechteren sozialen Verhältnissen sind den psychologischen Stressfaktoren, die aufgrund von COVID-19 entstehen, stärker ausgesetzt.

In der Analyse der Mitarbeiterkommentare in Peakon konnten wir beobachten, dass Begriffe wie Zwangsurlaub, berufliche Sicherheit und Stress, die allesamt auf die Sorgen der Befragten bezüglich ihrer beruflichen und finanziellen Stabilität hindeuten, gehäuft auftreten. Maslow würde zustimmen, dass die aktuellen Nachrichten zur Lage der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes genügend Grund zur Sorge sind und sich das auf einige stärker auswirkt als auf andere.

Unser Lösungsvorschlag: Erhöhen Sie die bezahlten Urlaubstage, die den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zustehen.

Der Soziologe Charles Horton Cooley hat die Bedeutung von bezahltem Urlaub am besten zusammengefasst:

„Wenn man sich seiner Arbeitsumgebung entzieht, nimmt man auch von sich selbst Abstand, und das ist einer der größten Vorteile von Reisen und Veränderungen.“

Es wäre naiv zu glauben, dass Unternehmen nur das tun müssen, um die finanziellen Sorgen ihrer Angestellten auszuräumen. Noch naiver wäre es zu glauben, dass das für jede einzelne Person gilt. Bei der Idee mit mehr bezahltem Urlaub geht es nicht darum, den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen mehr Geld zu geben, sondern ihnen vielmehr keines zu nehmen. Es ruft sie dazu auf, sich Zeit zu nehmen, ohne dabei Geld zu verlieren. Ihnen wird also ein Anreiz geboten, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden an erste Stelle zu stellen.

61 % der Angestellten in den USA sagen, dass sie im Urlaub arbeiten. Die Produktivität hat zugenommen, die Einkünfte aber nicht im selben Maße. Wenn den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen mehr bezahlter Urlaub zusteht und sie auch dazu ermutigt werden, das Angebot auch zu nutzen, schwächt das die finanziellen Sorgen etwas ab und fördert gleichzeitig ihr Wohlbefinden.  

Sich um die kümmern, die sich um andere kümmern

Zum Zeitpunkt, als dieser Artikel verfasst wurde, planten nur zwei der zehn größten Schulbezirke in den USA, die Schüler im Herbst wieder im Klassenzimmer zu unterrichten. Für die, die sich um Erwachsene in ihrer Familie kümmern, gibt es keine sichere Alternative der Pflege außerhalb der aktuellen Wohnsituation. Das Pew Research Center hat herausgefunden, dass „[…] ca. ein Drittel der Eltern mit kleinen Kindern höherer psychologischer Belastung ausgesetzt sind“.

Für Pflegende ist es schwieriger, die Auswirkung auf ihre Psyche zu quantifizieren, aber das Ergebnis ist dasselbe. Kürzlich veröffentlichte Studien, die Krankenschwestern beobachtet haben, die Coronavirus-Patienten pflegen, haben gezeigt, dass Pflegeaufgaben in diesen Zeiten zu Angstzuständen, Nervosität, Hilflosigkeit und anderen negativen Emotionen führen können. Auch Peakons eigenen Daten zeigen ein häufigeres Auftauchen von Begriffen wie Familie, Kinder und Berufsleben in den Kommentaren der Befragten. Der zusätzliche Stress, der durch Unsicherheit, die parallelen Anforderungen von Berufs- und Privatleben sowie die Notwendigkeit, Zeit für sich außerhalb von beidem zu finden, entsteht, wird sich weiterhin auf die Produktivität und allgemeine Zufriedenheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auswirken.

Unser Lösungsvorschlag: Die Erwartungen anpassen.

Selbst vor der Pandemie fand Peakons Data Science Team heraus, dass die Befragten das Thema flexibles Arbeiten 18 % häufiger ansprechen als in den letzten Jahren. Im Zuge der Zunahme digitaler Kommunikationslösungen verändern sich Arbeitsweisen (im Allgemeinen) zum Besseren. Wenn nicht speziell mit Kollegen zusammengearbeitet werden muss oder Kundentermine einzuhalten sind, gibt es keinen Grund, in den „normalen“ Bürozeiten arbeiten zu müssen. Ein Großteil der Aufgaben kann jederzeit erledigt werden. Warum sollten die Erwartungen daran, wie und wann die Arbeit erledigt wird, also nicht angepasst werden?

Wenn es leichter ist, die Arbeit zu erledigen, nachdem die Kinder ins Bett gegangen sind, dann sollten die Angestellten die Möglichkeit haben, die Arbeit an ihre Bedürfnisse und Lebensumstände anzupassen. Diese Erwartungen zusammen festzulegen und den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Vertrauen entgegenzubringen, ist entscheidend für den Erfolg. Es kann Eltern und Pflegenden etwas Druck nehmen, wenn eine Liste von Kollegen angelegt, die keine Kinder haben und unter Umständen den Teammitgliedern aushelfen können, die gegebenenfalls spontan ihre Pläne anpassen müssen. Es ist wichtig, dass Führungskräfte diese Verhaltensweisen vorleben. Für die, die im Schichtbetrieb arbeiten und/oder einer Tätigkeit nachgehen, die nicht von zu Hause erledigt werden kann, könnte es eine Idee sein, die Kinderbetreuung zu unterstützen, indem eine Gruppe von Kollegen und Kolleginnen mit Kindern eine Rufbereitschaft einrichten (wie es in Krankenhäusern üblich ist), um die zu unterstützen, die plötzlich gehen müssen. Diese gegenseitige Unterstützung kann mit halber Bezahlung (falls der- oder diejenige wirklich erscheinen muss) oder Freizeit entlohnt werden, was Freiwillige motivieren kann.

Im Zuge der Entwicklung der weltweiten Situation können Sie Ihre Angestellten am besten unterstützen und ihre Situation verstehen, indem sie ihnen zuhören. Peakon hat vor Kurzem einen Fragenkatalog veröffentlicht, der sich auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen konzentriert. Mit dem Feedback auf diese Fragen erhalten Führungskräfte und die Unternehmensführung Erkenntnisse dazu, wie sie ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wohlüberlegt und zielführend in der neuen Arbeitswelt helfen können.

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Autor - Matt Orozco