Wie müssen sich Führungskräfte für die Zukunft der Arbeit wappnen?

Avatar
Wie müssen sich Führungskräfte für die Zukunft der Arbeit wappnen?

Wenn man wissen möchte, welche Managementeigenschaften in der Zukunft der Arbeit von Bedeutung sein werden, dann braucht man sich nur das Krisenmanagement von Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern genauer ansehen. Als die Coronavirus-Pandemie begann, sich weltweit auszubreiten, war sie nicht zögerlich mit ihrer Strategie, um das Virus im Zaum zu halten.

„Ich bin mir bewusst, was ich von den Neuseeländern verlange“, sagte sie bei einer Pressekonferenz, bei der sie die nationale Ausgangssperre Ende März ankündigte. „Das ist eine große Sache. Ich weiß, dass es sich beängstigend anfühlt. Aber wir stehen das gemeinsam durch, solange wir zusammenhalten. Lasst uns stark und gut zu einander sein.“

Die Entschlossenheit und Schnelligkeit, mit der Jacinda Ardern gehandelt hat, hat dazu geführt, dass ihrem Land das Schlimmste erspart geblieben ist. Sie wird jedoch nicht nur dafür in Bezug auf ihr Krisenmanagement erinnert werden.

Als sie im Sweatshirt bei einem Facebook-Livestream mit ihren Bürgern und Bürgerinnen sprach oder als sie witzelte, dass der Osterhase dieses Jahr möglicherweise Schwierigkeiten haben könnte, jedem Kind einen Besuch abzustatten, schaffte sie mit ihrer Transparenz, Empathie und Menschlichkeit die notwendige Einigkeit im Land.

Auf kurzfristiger Ebene waren die Eigenschaften, die zu Arderns Erfolg führten überlebenswichtig. In der Welt nach der Pandemie und damit der Zukunft der Arbeit werden diese Eigenschaften für die langfristige Erholung notwendig sein — und auch für Unternehmensführungen sind sie beim Übergang zum neuen Normalzustand unerlässlich. 

Hier sind vier Eigenschaften, die erfolgreiche Führungskräfte ausmachen werden, wenn die Arbeitswelt in die nächste Phase eintritt.

Bei der Arbeit 4.0 braucht es agile Führungskräfte, die Inklusion fördern und keine Angst davor haben, Empathie, Mitgefühl und Verletzlichkeit zu zeigen.

Seien Sie menschlich

Wenn wir eine Sache aus Arderns Ansatz des Krisenmanagements gelernt haben, dann dass Führungskräfte für die Zukunft der Arbeit mehr Eigenschaften brauchen, die sie menschlich machen. Die Zeiten sind vorbei, als Führungskräfte als Kapitäne allein und unnahbar das Steuer in der Hand hielten — heute braucht es stattdessen Mut zur Flexibilität, Inklusion, Empathie und Verletzlichkeit. Nur so können Manager und Managerinnen ihre Teams unterstützen und ihnen die Bedingungen bieten, die sie brauchen, um erfolgreich zu sein.

Wie über die letzten Monate deutlich geworden ist, wirkt sich die Pandemie auf die psychische Gesundheit ebenso aus wie auf das körperliche Wohlbefinden. Führungskräfte müssen gesunde Verhaltensweisen vorleben und bei der Arbeit alles geben, sowohl als Manager oder Managerin und auch als Individuum. Sie müssen die Verhaltensweisen vorleben, mit sich selbst nachsichtig zu sein und auf sich selbst Acht zu geben, und sie müssen auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als zentrales Element der Unternehmenskultur fördern.

Diese Eigenschaften sind wichtig, um ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Organisation herzustellen und eine Kultur zu schaffen, in der auf sich selbst und andere Acht gegeben wird und ein offener Umgang gepflegt wird. Wenn die Angestellten dieses Verhalten vorgelebt bekommen, insbesondere im Kontext von mobilem oder hybridem Arbeiten, haben sie das Gefühl, dass sie unterstützt werden und dass sich das Unternehmen um sie kümmert — und legen diese Verhaltensweisen ebenso an den Tag. Wenn die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dieses Gefühl haben, sind sie innovativer, produktiver und loyaler der Organisation gegenüber.

Zukunft der Arbeit: von neuen Erwartungen erfahren und auf sie reagieren

Die Welt, die wir vor dem Lockdown kannten,war eine ganz andere als die, die wir heute erleben. Die Zukunft der Arbeit ist damit schon hier. Viele Angestellte hatten zuvor nie von zu Hause gearbeitet und taten es plötzlich dauerhaft. Für manche bedeutete das eine neue Möglichkeiten der Work-Life-Balance, für andere bringt es ihre bisherige durcheinander. Derweil rücken Black Lives Matter, wirtschaftliche Disparitäten und steigende Arbeitslosigkeit soziale Ungleichheiten in den Vordergrund.

Wenn einige wieder zu ihrem Arbeitsplatz zurückkehren, werden die Erfahrungen der letzten Monate ihre Erwartungen an die Arbeit prägen — jetzt und künftig. Wenn die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben in diesen Zeiten immer stärker verschwimmen, können Unternehmensführungen nicht erwarten, dass ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen diese Erwartungen zu Hause lassen, wenn wieder Normalität einkehrt.

Obwohl das geschäftliche Überleben an erster Stelle stehen wird, ist es ebenso wichtig, die Erwartungen der Angestellten im Rahmen von Arbeit 4.0 zu kennen und zu erfüllen — selbst, wenn nicht sofort Maßnahmen ergriffen werden können. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind der entscheidendste Erfolgsfaktor. Wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Meinung zählt und sie unterstützt werden, fühlen sie sich in der Lage, das Unternehmen voranzubringen.

Kommunizieren und sich transparent zeigen — vor allem in Zeiten der Unsicherheit

Diese Zeit ausgedehnter Unsicherheit hat uns viel über Vertrauen, Ehrlichkeit und Kommunikation gelehrt. Auch wenn Unternehmen aktuell nicht wissen, was die Zukunft verspricht, liegt der Schlüssel für dauerhaftes Vertrauen darin, transparent zu sein.

In unserer jüngsten Podcast-Reihe zum Thema Unternehmensführung in Zeiten der Pandemie erklärte James Routledge, Gründer und CEO von Sanctus, einer Organisation, die sich mit dem Thema geistiges Wohlbefinden von Angestellten beschäftigt, warum er sich für absolute Ehrlichkeit entschieden hat, statt zu bluffen, als die Zukunftsperspektiven unklar waren:

„Ich habe mit dem gesamten Team komplette Transparenz an den Tag gelegt — wir haben uns das beste und das schlechteste Szenario angesehen“, sagte er. „Transparenz ist in Zeiten der Unsicherheit so wichtig. Es ist besser zu sagen, was los ist, auch wenn es schwer ist. Unabhängig davon, was in den nächsten Monaten passiert, wenn man als Führungskraft damit reagiert, dass man die Wahrheit verschleiert, wird das einen bleibenden Eindruck bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen hinterlassen.“

Transparenz wird besonders in den nächsten Monaten entscheidend sein, um das Vertrauen der Angestellten zu gewinnen. Regelmäßiger Dialog ist essenziell, um das aufgebaute Vertrauen insbesondere im Kontext von hybridem oder vollständig mobilem Arbeiten zu halten. Wenn gegenseitiges Vertrauen besteht, bildet es die Grundlage für gesteigertes Mitarbeiter-Engagement und höhere Produktivität. Das wird in der Zukunft der Arbeit noch stärker an Bedeutung gewinnen.

An die Gegenwart anpassen, für die Zukunft der Arbeit planen

Die letzten Monate waren ein Test für die Flexibilität von Unternehmensführungen und Führungskräften. Sie haben allerdings auch gezeigt, dass nicht nur Viele gut von zu Hause arbeiten können, sondern auch noch sehr produktiv dabei sind — teilweise sind sie sogar produktiver als zuvor.

Im unternehmerischen Kontext hört man jedoch allzu oft den alten Spruch „Es ist ein Marathon und kein Sprint“. In den letzten Monaten hat sich die Arbeit für Viele wie ein anhaltender Sprint ohne eine erkennbare Ziellinie angefühlt. Einige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben sich gut angepasst und sogar unter den neuen Arbeitsbedingungen ihr Bestes geben können. Andere hingegen haben das nicht, sei es, weil sie ihre Kinder betreuen mussten, sich um ihre Gesundheit sorgten oder Schwierigkeiten hatten, sich an Social Distancing und andere Sicherheitsvorkehrungen gegen das Virus zu gewöhnen.

Für Unternehmensführungen mag es reizvoll erscheinen, die schnellen Veränderungen der Arbeitsweisen und die Leistung der Angestellten als Maßstab für künftige Pläne zu nehmen. Die Leistung Ihrer Belegschaft in Zeiten der Pandemie deutet jedoch nicht auf ihr Talent, Engagement oder ihre Fähigkeit hin, sich an eine neue Normalität zu gewöhnen.

Die letzten Monate waren alles andere als normal. Statt die Krise zu nutzen, um künftige Ziele festzulegen, sollten eher positive Lektionen gezogen werden, um die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen besser zu unterstützen. Die Zukunft der Arbeit wird von agiler Führung geprägt sein. Diese Agilität entspricht jedoch nicht der, die wir in den letzten Monaten beobachten konnten. Statt auf schwierige Umstände zu reagieren, wird es eher darum gehen, agil zu sein, um sich auf die Zukunft auszurichten und den Angestellten mehr Lösungen zu bieten, damit die Arbeit ihren Bedürfnissen entspricht — wo auch immer sie sind.

Autor - Camille Hogg