„Es ist Wahnsinn“: Manager brauchen Unterstützung durch COVID-19

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„Es ist Wahnsinn“: Manager brauchen Unterstützung durch COVID-19

Momentan ist es schwieriger (oder wichtiger) denn je, eine Führungskraft zu sein. Und das wirkt sich auch auf das Wohlbefinden von Führungskräften aus.

Im Zuge der Pandemie konnten Manager beobachten, wie sich ihre Rolle veränderte. Um ihre Teams effektiv durch die Pandemie und auch danach zu leiten, mussten Führungskräfte ihre Kommunikation anpassen, neue Prozesse entwerfen und lernen, Mitgefühl auf einem neuen Niveau zu zeigen.

Vor allem mussten sie mit Vielem umgehen können und widerstandsfähig sein, um ihren Teams die Unterstützung zu bieten, die sie in diesen Zeiten brauchen.

Wie haben sich diese Veränderungen jedoch darauf ausgewirkt, wie Führungskräfte die Pandemie wahrgenommen haben? Und was verlangt die Situation ihnen und ihrem Wohlbefinden ab? Um das herauszufinden, haben wir 50.000 Kommentare analysiert, die Manager weltweit seit dem 1. März abgegeben haben.

Manager geben zweimal mehr Kommentare zu ihrem Wohlbefinden ab

Seit dem 1. März haben Führungskräfte insgesamt 49.457 Kommentare auf der Peakon-Plattform hinterlassen. Zu Beginn der Pandemie konzentrierten sich diese Kommentare auf Themen wie Manager, Möglichkeit, Position und Kultur — Begriffe, die in den Kommentaren in Peakon-Umfragen regelmäßig auftauchen. 

Im April begann sich die Sprache der Führungskräfte in den Kommentaren sich etwas zu ändern, als Unsicherheit und Angst zunahmen und Regierungen weltweit Ausgangssperren verhängten. COVID wurde zum zweithäufigsten Thema in den Kommentaren von Führungskräften weltweit und von März bis April nahm die Präsenz des Begriffes um 680 % zu.

Das am häufigsten diskutierte Thema in den Kommentaren von Führungskräften war jedoch bei Weitem das Wohlbefinden. Von März bis Mai bezogen sich 35 % aller Kommentare von Führungskräften auf dieses Thema.

In den Kommentaren der Mitarbeiter ohne leitende Aufgaben lag der durchschnittliche Anteil dieses Themas bei 16 % — somit kommentierten Manager das Thema Wohlbefinden doppelt so häufig.

Das Wohlbefinden von Führungskräften weltweit leidet: Sie fühlen sich unter Druck, gestresst und einsam

Erst, wenn wir etwas tiefer in die Kommentare eintauchen und sehen, was die Führungskräfte genau zum Thema Wohlbefinden sagen, wird das volle Ausmaß der Auswirkungen auf das geistige Wohlbefinden der Führungskräfte deutlich.

Als wir uns angesehen haben, welche 20 Themen im Zusammenhang mit dem Wohlbefinden am häufigsten von Managern zwischen März und Mai angesprochen wurden, tauchte der Begriff „Wahnsinn“ als einer der häufigsten Begriffe auf — das zeigt, wie stark sich die Pandemie auf den geistigen Zustand der Führungskräfte ausgewirkt hat.

Außerdem wurden Dinge wie alte Art, alte Arbeit, Home-Office und zu Hause arbeiten häufig thematisiert, was auf die Schwierigkeit hindeutet, sich in die neuen Aufgaben und die neue Arbeitsweise einzufinden.

Themen wie Zwangsurlaub und berufliche Sicherheit deuten auf die Stressfaktoren finanzieller Natur hin, die aufgrund der Pandemie entstanden sind. Gleichzeitig zeigen Bezugnahmen auf Druck und Arbeitslast, dass die Arbeitsbedingungen in diesen Zeiten für Führungskräfte nicht wirklich funktionieren.

Themen wie Familie, Kinder und Arbeitsleben machen die Durchmischung von Berufs- und Privatleben erkennbar — Work-Life-Balance war der häufigste Begriff in den Kommentaren von Führungskräften weltweit in April und Mai.

All diese Begriffe helfen, ein Bild davon zu zeichnen, wie sich die Pandemie negativ auf das geistige Wohlbefinden von Führungskräften auswirkt. Im Mai tauchten Einsamkeit, psychische Gesundheit, geistiges Wohlbefinden und Stress in den häufigsten 20 Begriffen in den Kommentaren von Führungskräften auf. Damit haben sie um 121 % in ihrer Häufigkeit seit März zugenommen.

Das Wohlbefinden der Mitarbeiter fängt bei den Managern an — in der Pandemie und darüber hinaus

In diesen Zeiten konzentrieren sich viele Unternehmen darauf, ihren Betrieb anzupassen, krisenfest zu machen und Pläne zu entwerfen, wie sie die Geschäfte fortführen können. Die menschliche Krisenfestigkeit stand dabei jedoch nicht oben auf der Agenda. Viele Empfehlungen haben sich in dieser Zeit außerdem darauf bezogen, wie Manager ihre einzelnen Mitarbeiter und ihr Wohlbefinden unterstützen können.

Unsere Daten zeigen jedoch, dass Manager weltweit mit ihrem eigenen geistigen Wohlbefinden aktuell zu kämpfen haben. Ihre Arbeitslast und Produktivität, ihre Arbeitsumgebung und ihre Gesundheit besorgen sie und lösen Stress aus — und diese Last wird noch erhöht, da sie dasselbe für ihre Teams tun.

Künftig müssen Organisationen im Kopf behalten, dass das Wohlbefinden ihrer Manager ebenso auf dem Spiel steht. Die Teamleiter sind eine essenzielle Verbindung zwischen Ihrem Unternehmen und seinen Mitarbeitern. 

In diesen Zeiten — und beim Übergang zurück zur Arbeit — können Manager nicht die notwendige Unterstützung bieten, wenn sie keine Unterstützung von der Organisation erhalten. Sie brauchen die Erkenntnisse, die Ratschläge und Empfehlungen und das Training, um ihren Mitarbeiter Vertrauen, Unterstützung und Sicherheit zu bieten. Es reicht nicht aus, als Organisation oberflächlich zu kommunizieren. Bei der Rückkehr zum Arbeitsplatz müssen Unternehmen offene und ehrliche Gespräche mit den Führungskräften über ihr Wohlbefinden führen und sie unterstützen, damit sie ihre Teams unterstützen können.

Letzten Endes ist es so, wie Maya Angelou sagte: „Menschen vergessen, was man gesagt hat, dass Menschen vergessen, was man getan hat, aber dass Menschen niemals vergessen, welche Gefühle man in ihnen hervorgerufen hat.“

Autor - Camille Hogg