Workplace Spotlight: Die Mission als Basis für Teslas Unternehmenskultur

Ross Brooks
Workplace Spotlight: Die Mission als Basis für Teslas Unternehmenskultur

Es gibt viel von der Unternehmenskultur von Tesla zu lernen, insbesondere dazu, welche Rolle die Mission einer Organisation spielt. In Bezug auf Arbeitspensum und Entlohnung besteht bei ihr möglicherweise noch Verbesserungsbedarf, in Puncto sinnstiftende Arbeit kann die Konkurrenz allerdings kaum mithalten.

Der starke Fokus des Unternehmens auf Nachhaltigkeit und einer besseren Zukunft zieht einige der besten Talente der Welt an. Um die Mitarbeiter langfristig zu halten, bedarf es jedoch auch eines starken Unternehmensleitbilds. Unsere eigenen Untersuchungen zeigen, dass Mitarbeiter-Engagement und Mitarbeiterzufriedenheit damit einhergehen, herausgefordert und belohnt zu werden, und auch damit zusammenhängen, wie der eigene Manager handelt und welche Möglichkeiten der persönlichen Weiterentwicklung bestehen. Wenn in diesen Bereichen Unzulänglichkeiten bestehen, werden die Mitarbeiterinnen wahrscheinlich kündigen.

„Es ist sehr aufregend, für ein Unternehmen zu arbeiten, das die Welt verbessern will. Es gibt hier viele Menschen mit denselben Zielen – das ist inspirierend.“, heißt es bei einer Bewertung auf Glassdoor.

Tesla, das 2003 gegründet wurde und Elektrofahrzeuge, Stromspeicher und Solarpanele entwirft und baut, ist ein sehr fortschrittlich denkendes Unternehmen. Nach dem physikalischen Wegbereiter Nikola Tesla benannt, hat sich das Unternehmen für seine Elektrofahrzeuge, wie den Roadster oder das Model S, einen Namen gemacht.

Die Geschichte

Obwohl der charismatische Visionär und Mitgründer von PayPal, Elon Musk, das öffentliche Bild von Tesla bedeutend prägt, wurde die Grundlage für das Unternehmen bereits gelegt, bevor Musk auf den Plan trat. Die beiden Ingenieure Martin Eberhard und Marc Tarpenning riefen die Idee für Tesla ins Leben.

Dem Business Insider zufolge keimte die Idee eines Elektrofahrzeugs in Eberhard im Jahr 2000 nach seiner Scheidung auf. „Ich dachte damals, dass ich das tun sollte, was jeder Mann tut: einen Sportwagen kaufen“, sagte er einmal in einem Interview. „[Aber] ich konnte mich nicht dazu bringen, ein Auto zu kaufen, das auf 100 Kilometer 15 Liter verbraucht, während gleichzeitig im Nahen Osten Kriege geführt wurden, bei denen es um Öl ging und außerdem die Indizien für die Erderwärmung nicht mehr zu übersehen  waren.“

2001 besuchten Tarpenning und Eberhard eine Konferenz der Mars Society in Stanford, um mit Musk zu sprechen. Sie stellten sich vor und der erste Schritt der gemeinsamen Partnerschaft war getan. Musk half Tesla mit einer Investition von $6,3 Millionen im Jahr 2004, auf die Füße zu kommen.

Unternehmensmission

Tesla ist leidenschaftlich überzeugt, dass Elektroautos besser und schneller sind und außerdem mehr Fahrspaß bieten als Verbrenner – und sie haben es zu ihrer Mission gemacht, diese zugänglicher und erschwinglicher zu machen. Wie genau lautet diese Mission?: „Die Beschleunigung des weltweiten Übergangs zu nachhaltiger Energie“.

Tesla ist immer noch ein recht junges Unternehmen, das keine großen Profite erzielt – und auch keine Prämienpakete ausgibt oder mit voluminösen Gehaltsangeboten versucht, Talente anzuziehen. Stattdessen verlassen sie sich darauf, Personen einzustellen, die wirklich von ihrer Mission überzeugt sind – und davon gibt es viele. 2017 erhielt das Unternehmen eine halbe Million Lebensläufe und Bewerbungen. Teslas Chief People Officer, Gaby Toledano, sagt dazu: „Wir ziehen Personen an, die von dem überzeugt sind, was wir tun… [denn] wir konzentrieren uns auf unsere Mission und schreiben Geschichte.“

Die Mitarbeiter bei Tesla sind durch die gemeinsame Mission verbunden.

Für die, die sich wirklich für Teslas revolutionäre Mission interessieren, führt dieses gemeinsame Ziel zu hohem Mitarbeiter-Engagement und einer ausgeprägten Loyalität. Musk schrieb 2015 den bekannten Satz: „Wenn du es bei Tesla zu nichts bringst, kannst du zu Apple gehen.“ Victoria Dahany, Product Specialist bei Tesla, die einer Stelle bei Apple eine Absage erteilte, erklärte Forbes, was das Unternehmen so attraktiv macht: „Es gibt bei Tesla kostenlosen Müsli und das war’s. Die Organisation versucht nicht, Talente mit kostenlosen Dingen oder Boni anzuziehen, sie zieht sie mit ihrer Überzeugung und ihren Zielen an: Bist du verrückt genug, mit uns die Welt zu verändern?“

Zentrale Unternehmenswerte

Teslas Werte werden von seiner bahnbrechenden Mission gespeist: Nachhaltigkeit durch Innovation. Für viele Mitarbeiter ist die schnelllebige Umgebung an der Spitze des technologischen Fortschritts, ein wesentlicher Anziehungspunkt. Wer Input braucht, um seine Bestleistung abzurufen, dem kommen die stetigen Herausforderungen bei Tesla entgegen. Und für die, die fest an globale Nachhaltigkeit glauben, ist es genug, Teil dieses Projektes für die Umwelt zu sein. Teslas Mission wird immer wieder ins Gedächtnis gerufen und so wird das Team dadurch belohnt, dass es einen Beitrag zur Weiterentwicklung grüner Technologie leistet. 

Nichtsdestotrotz hat Innovation seinen Preis. Mehr als 180 Bewertungen auf Glassdoor erwähnen eine schlechte Work-Life-Balance und weitere 160 berichten von langen Arbeitstagen („die Gerüchte sind wahr. Du wirst dort EXTREM hart arbeiten.“). Ein weiterer häufig auftretender Kommentar bezieht sich darauf, wie Strategien und Prozesse sich ständig verändern und die Kommunikation dabei nicht immer unbedingt gut ist – eine mögliche Nebenwirkung, wenn man für eine führendes innovatives Technologieunternehmen arbeitet.

Teslas Ingenieure arbeiten an einem Auto und kommen der Mission des Unternehmens einen Schritt näher.

In einer Nachricht vom 14. Mai bezüglich einer Umstrukturierung schrieb Musk an die Tesla-Mitarbeiter: „Wir gestalten die Managementstruktur ab jetzt flacher, um die Kommunikation zu verbessern; Funktionen dort zu verbinden, wo es Sinn ergibt, und Tätigkeiten zu streichen, die für den Erfolg in der Umsetzung unserer Mission nicht essenziell sind.“ Falls sich der Vorstand das Feedback zum Thema Kommunikation angehört hat, ist das eine motivierende Reaktion für das Tesla-Team.

Was können wir also von Teslas Unternehmenskultur lernen? 

Wie Cindy Nicola, Teslas Vice President of Global Recruiting, sagt: „Es sollte sich einfach jeder bewerben“

Wahren Sie eine offene Einstellungsstrategie. Mit diesem Ansatz halten Sie die Tür auch talentierten aber unerfahrenen Arbeitnehmern offen. Behalten Sie den Organisational Fit während des gesamten Auswahlprozesses im Blick, wenn Sie eine Belegschaft haben wollen, die von Anfang an hohes Mitarbeiter-Engagement mitbringt.  

Glassdoor zufolge ist Tesla bei seinen Erwartungen nicht immer transparent 

Lernen Sie von den Fehlern anderer. Seien Sie Ihren Bewerberinnen gegenüber ehrlich, was die Unternehmenskultur angeht, damit die richtige Erwartungshaltung aufgebaut wird und Enttäuschungen vermieden werden. Wenn ein typischer Tag beispielsweise hektisch und stressig abläuft, sollten Sie das im Bewerbungsgespräch klar stellen und gleichzeitig die Vorteile herausstellen. Wenn Sie hingegen erklärterweise viel Wert auf Diversität legen, sollten Sie sich fragen, ob diese in der Arbeit selbst auch gegeben ist. 

Unternehmenskultur ist nicht statisch

Unabhängig davon, wie klar und stark die Mission eines Unternehmens ist, sollten Sie nicht annehmen, dass sie unverändert bleiben kann. Kultur verändert sich mit der Zeit und Umstrukturierungen könnten auch bei Tesla an den Grundfesten der Arbeitsweise des Unternehmens rütteln. Selbst wenn Ihre Mitarbeiter sehr zufrieden sind und Sie eine starke Unternehmensmission aufweisen, sollten Sie nicht selbstgefällig werden. Überprüfen Sie Ihre Unternehmenskultur regelmäßig, indem Sie das Feedback Ihrer Mitarbeiter einholen – und wirklich zuhören.

Nehmen Sie alle notwendigen Anpassungen vor

Tesla zeigt mit seinem Angebot ohne jeden Schnickschnack und seinem Fokus auf intrinsischer Motivation, wie ein inhaltlich erfüllender Arbeitsplatz allein zu hohem Mitarbeiter-Engagement beiträgt. Wenn Ihr Unternehmen noch am Anfang steht und Sie sich keine Boni und Extras leisten können, überlegen Sie, wie Sie sonst das Mitarbeiter-Engagement Ihrer Mitarbeiterinnen steigern können. Werden sie schnell befördert? Wird ihnen unabhängig von ihrer Erfahrung Gehör geschenkt? Worin ist Ihre Unternehmenskultur besser als die Ihrer Konkurrenz? Wenn Ihre Mitarbeiter realisieren, dass es sich lohnt, auf Vorteile wie kostenloses Essen im Austausch für eine schnelle Karriereentwicklung zu verzichten, steigt ihre Loyalität, Motivation und ihr Engagement.

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Autor - Ross Brooks